Noch ein schleierhafter Pilz *PIC*

pilzmel ⌂, (vor 7921 Tagen)

Hallo Pilzfreunde!
Eine unlängst erteilte Anregung suggerierte mir, doch mal dringend eine rätselhafte Inocybe vorzustellen. Also habe ich eine Laterne angezündet und bin wieder in meine weitläufigen Gewölbe voller unbestimmter Pilze hinabgestiegen, um den Schatz zu heben.
Funddaten: 14.10.01, Kyhna, Friedhof. Auf fast kahlem, nicht natürlich gewachsenem und oft begangenem Boden 3 Fruchtkörper büschelig unter einer Eibe. Weit entfernt Esche und ein Prunus-Busch. Es herrschte warme, trockene Witterung.
Notizen von damals zitiert:
Hut mit kleinem Mittelbuckel, bräunlich, dunkler geschuppt und befasert, mehrfach bis zur Mitte eingerissen, Rand mit Velumrest. Lamellen chreme, gelb-rosa verfärbend, zäh, untermischt, leicht ausgebuchtet bis am Stiel herablaufend. Stiel helleres Braun, dunkler braun längsfasrig, voll bis gestopft, zäh. Basis keulig, aber nach unten zugespitzt. Gelber Filz (wird trocknend blaß), vage Ringzone. Geschmack mild, kaum Geruch.
Interessant, gekostet habe ich das Ding, aber keine Maße genommen. Hutdurchmesser dürfte aber 5 cm kaum überschritten haben, Stiellänge max. 10 cm. Sporenpulverfarbe Fehlanzeige, aber ich glaube, ich probierte erfolglos einen Abwurf.
Hier ein Bild. Der gut zu einem Drittel "wurzelnde" Stiel sollte erkennbar sein.

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Eine mikroskopische Musterung ergab ungefähr dies Ergebnis:

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Nach Sporen mußte ich lange suchen; mutmaßlich mißglückte deshalb der Pulverfarbtest. Ob die Sporen ausgereift waren, ist sicher zu begrübeln. Alle waren übrigens farblos und hatten (im Durchlicht) dunkel erscheinende, nicht sehr deutliche Ornamentation. Gemessen: 7,5-8,1(8,7) x (3,7)4,4-5(5,6) µm.
Nun habe ich die Inocybe verworfen und gleichzeitig den alarmierend keimenden Verdacht, daß es sich z.B. wegen der nicht glatten Sporen um einen Cortinarius handeln könnte. Mit der Eibe hat der ja wohl nichts zu schaffen; ein paar weitläufige Pappelwurzeln möchte ich nicht ausschließen.
Alle mir zugänglichen "wurzelnden" Cortinarien passen aber nicht so recht. Oder denke ich jetzt völlig verquast?
Ein Nein! an dieser Stelle wäre nicht verkehrt.
Danke dafür und Beste Grüße! Pilzmel, der bis hier her die Seufzer hört.

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Xerula ?

Peter W., (vor 7920 Tagen) @ pilzmel

Dein Fund könnte Xerula caussei sein, auch wenn die Sporen etwas klein sind und der Standort bei Eibe etwas fraglich sind.

Mikroskopier mal die Huthaut, ob Haare vorhanden sind. Die sind bei der Art hyalin.

Gruß Peter Welt

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Re: Xerula ?

pilzmel ⌂, (vor 7920 Tagen) @ Peter W.

Hallo Peter!
Vielen Dank. Die Eibe wird nur zufällig dort stehen. Möglich, daß es noch vergrabene Stubben gibt, nur ist das bei Schnee nicht zu prüfen. X. caussei ist eine interessante Anregung. Leider habe ich keine Informationen über die Art, und im Netz findet man auch so gut wie nichts. Nun habe ich mich mit der Huthaut herumgeschlagen. Soweit ich das beurteilen kann, besteht die HDS aus liegenden Hyphen. So richtig echte Haare habe ich nicht identifiziert. Die schon mit der Lupe erkennbaren (jetzt) bräunlichen Flusen entpuppten sich als Ketten ziemlich großer und dickwandiger Zellen, so wie bei manchen Tintlingen. Das sieht mir nach Velumresten aus. Nebenbei fand ich ein paar Sporen, die von einem Pilz auf den anderen gefallen sein mögen und vielleicht gereift sind. Etwas größer als bisher (8,7-10 x 5-5,6 µm) und vor allem sehr deutlich ornamentiert. Fast paßgerecht zu Cortinarius evernius, wenn der Rest nicht wäre... Außerdem erscheint es mir merkwürdig, daß farblose Sporen (mit im Durchlicht schwarzem Ornament) zu einem Braunsporer gehören sollten?
Beste Grüße in die Heimat! Pilzmel

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Re: Xerula ?

zuehli ⌂, (vor 7920 Tagen) @ pilzmel

Hallo Andreas,

Xerula caussei findest Du in der Ba-Wü-Flora Bd.3, S.583 und bei Cetto im 2.Bd, Nr.548 (als Oudemansiella nigra).
Gruß Harald