Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum)
Hallo Birgit,
Im Vellinga Artikel wurde das Typusmyterial und eine zweite Kollektion von
Chl. brunneum untersucht, in beiden Kollektionen war die Stielknolle
scheinbar nicht gerandet, sondern wird als bulbous, was ich frei Schnauze
als zwiebelförmig übersetzen würde, beschrieben. In der
Originalbeschreibung und Tafel von damals noch Lepiota brunnea wird laut
Vellinga ebenfalls keine gerandete Knolle dargestellt.
Ja, die Originaltafeln beider Arten sind nicht gerade typisch für ihre heutigen Interpretationen. Lepiota brunnea wird ohne gerandete Knolle dargestellt, wohingegen die Originaltafel von Agaricus rachodes durchaus eine schwach gerandete Knolle zeigt (sowie im Protolog: "Stipes laevis, marginato-bulbosus"). Bei beiden Tafeln aber gut zu erkennen: Der im Querschnitt einfache Ring von L. brunnea sowie der doppelte Ring von A. rachodes. Geht man also nach den Originalbeschreibungen, so müsste Chl. brunneum tatsächlich nicht immer eine gerandete Knolle aufweisen. Die Form der Knolle auf der Originaltafel von A. rachodes hingegen würde sehr gut zu Jürgens Fund passen, also macht uns das auch nicht wirklich schlauer. Hier zum Vergleich:
Lepiota brunnea:
![[image]](http://i50.tinypic.com/2cyjhgm.jpg)
Agaricus rachodes:
![[image]](http://i47.tinypic.com/il93ip.png)
Bei deinen
Exemplaren erscheint mir die Knolle im Verhältnis zum Stieldurchmesser
erheblich breiter, während meine eine Exemplare eher eine schmale Knolle
besitzen, die ich nicht als zwiebelförmig, sondern eher als allmähliche
keulige Verdickung beschreiben würde. Im Schlüssel von Vellinga wird das
so beschrieben: a) Basidiocarps with abruptly to marginate bulbous stipe
base .....Chl. brunneum
etwa: Fruchtkörper mit abruptem bis gerandetem Übergang zu einer
zwiebelförmigen Stielbasis
Ich würde das jedoch anders übersetzen und zwar mit "bulbous" im Sinne von "knollig" und damit: "Fruchtkörper mit abrupt bis gerandet knolligem Stiel". Deine Übersetzung würde ja bedeuten, dass Chl. brunneum immer eine zwiebelförmige Knolle aufweisen würde, was jedoch nicht der Fall ist. Die Knolle von Chl. rachodes kann schwach keulig sein oder auch so deutlich ausgeprägt wie auf Jürgens Fotos (welche Art auch immer diese nun darstellen) oder auf der Originaltafel.
Das heißt
auch, dass es wohl einfach Exemplare mit gerandeter und nicht gerandeter
Knolle gibt. Und wenn schon das Typusmaterial keine gerandete Knolle
besitzt, kann man das meiner Meinung nach wirklich nicht als
ausschließendes Kriterium benutzen.
Da stimme ich dir zu. Auch wenn Chl. brunneum vermutlich in den allermeisten Fällen eine deutlich gerandete Knolle wie auf Gábors Fotos aufweist (zumindest habe ich sie noch nie anders gefunden und auch in der Literatur keine Beschreibung gesehen), zeigt zumindest der Typusbeleg, dass dies nicht immer der Fall sein muss.
b)Basidiocarps with widened stipe base, but not abruptly so ..... Chl.
rachodes
etwa: Fruchtkörper erweiterter Stielbasis ohne abrupten Übergang
Das entspricht genau dem, was ich gefunden habe und meiner Meinung nach nicht
deinen Exemplaren. Jetzt müssen wir noch den Ring wegdiskutieren.
Hier (fig. 3) ist z.B. auch eine Knolle von Chl. rachodes abgebildet, die Jürgens Fund entsprechen würde.
Insgesamt erscheinen mir deine Exemplare kompakter und fleischiger, als das
was ich gefunden habe, was vielleicht an der anderen
Hutbreite-Stiellänge-Relation liegt.
Wenn Du diese Pilzchen als banal einstufst, dann möchte ich mich gar nicht
mehr mit etwas Komplizierterem befassen. Diese Ringgeschichten
überzeugen mich auch noch nicht so wirklich, ich hätte gerne mal eine
Detailaufnahme des einfachen Ringes von Chlorophyllum brunneum.
Hier ein Ausschnitt von Gábors Foto von Chl. brunneum, wo man den im Querschnitt einfachen, relativ schmächtigen und häutigen Ring sehen kann:
![[image]](http://i45.tinypic.com/2ppga3q.jpg)
Als direkter Vergleich dazu der typische Ring von Chl. rachodes aus deinem Beitrag:
![[image]](http://pilze.b-weisel.de/chlor_rach_151012_4.jpg)
Schöne Grüße
Gernot
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